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Der Taufkerzenleuchter in der Dreifaltigkeitskirche

Nach langem Suchen ist er gefunden - ein neuer angemessener Leuchter für unsere Taufkerze. Über viele Jahre haben wir uns mit einem Provisorium begnügt. Einem dünnen, schwankenden Ständer aus Messing, der nur eine Stumpenkerze tragen konnte und eigent­lich für die Oster- und Taufkerze gar nicht gedacht war.

Im Rahmen der Innenrenovierung unserer Kirche vor drei Jahren wurde der Wunsch aktuell, einen künstlerisch wertvollen Leuchter anzuschaffen, der mehr ist, als nur ein Funktionsgegenstand. Durch großzügi­ge Spenden wurde es möglich, der inter­national renommierten Künstlerin Ingrid Hartlieb aus Stuttgart einen Leuchter für unsere Kirche in Auftrag zu geben. Im Ostergottesdienst haben wir ihn feierlich eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Er ist ein über­zeugendes Beispiel moderner Kunst, die sich in den Raum der Dreifaltigkeits­kirche spannungsvoll und harmonisch einpasst. Ingrid Hartlieb hat ihn, wie alle ihre Werke, aus verschiedenen Holzarten gestaltet, die sich in mehreren Schichten erdhaft, archaisch und wie gewachsen auftürmen. Es ist das Wesen eines Kunstwerkes, dass es verschiede­ne Assoziationen zulässt und dem jewei­ligen Betrachter ganz eigene Wahrnehmungen und Interpretationen eröffnet. So erinnert der Leuchter an eine Pyramide oder einen Leuchtturm, aber auch an das biblische Bild von der "Stadt auf dem Berge", mit der Jesus die christliche Gemeinde vergleicht. Altes, abgelagertes und junges Holz lässt darü­ber meditieren, dass wir auch mit unse­rem Glauben getragen sind von der Vergangenheit, von der Tradition, von dem, was vor uns war. Die verschiede­nen Maserungen, Schrunden und Farbnuancen der Hölzer verweisen auf Lebensgeschichte mit ihren Wunden, Rissen und Prägungen. In jedem Fall - der Leuchter ist nicht nur ein ästhetisches Kunstwerk an sich. Er trägt etwas, hebt empor: Die Kerze (Oster- und Taufkerze), Symbol für Christus, das Licht der Welt!

Wunderbart harmonisch fügt sich Altes und Neues am Standort des Leuchters zusammen. Unter und zwi­schen den beiden Holzfiguren, die aus der Riemenschneider-Schule stammend zu den ältesten Kunstwerken in unserer Kirche gehören und vom namentlich unbekannten "Reinheimer Meistern" gestaltet wurden, hat er sei­nen Platz. Das ist von tiefer Symbolik: Die Figuren sind aus Lindenholz geschnitzt und auch diese Holzart fin­det ihre Entsprechung im Leuchter. Johannes der Täufer ist im Neuen Testament der Wegbereiter Jesu. Er will nicht mehr sein als Hinweis auf ihn.

Die zweite Figur, der Bischof Nikolaus, bringt durch Taten der Liebe Licht in die Dunkelheit seiner Zeit. So ist der Leuchter gleichsam in "guter Gesellschaft". Er trägt das Osterlicht. Er hebt hervor und bringt den zum Leuchten, in dessen Namen wir Gottesdienst feiern und der von sich gesagt hat: "Ich bin das Licht der Welt!" Indem wir die Kerzen der Täuflinge an unserer Tauf- und Osterkerze anzünden, wollen wir dieses Licht ausbreiten hel­fen.

Siegert