Gemeindebrief Winter final 16.11.2017 Seite 11

Gembr Herbst 2017 Entwurf 2.8.2017 Seite 08

Gemeindebrief Sommer 2017.final.net Seite 10Ostern 2017.   15.3. Seite 15

Ute Tokarczyk über den  Stuhlkreis

Der morgendliche Stuhlkreis ist ein wichtiger Bestandteil unseres Tagesablaufs in der Kindertagesstätte. Dies hat seine besonderen Gründe: Hier werden Absprachen getroffen und Regeln besprochen, hier planen wir mit den Kindern das nächste gemeinsame Frühstück und stimmen ab, was es zu essen geben wird. Hier werden Geburtstage gefeiert, Lieder gesungen und hier wird auch gespielt. So vermittelt der Stuhlkreis den Kindern wichtige Erfahrungen darin, wie sie gemeinsam ein Konzept des Tagesablaufes gestalten können.
Weiterhin fördert er das Gemeinschaftsgefühl. Die Kinder fühlen sich der Gemeinschaft zugehörig, mit allen anderen verbunden. Jedes Kind hat seinen festen Platz im Kreis, ein leerer Platz fällt sofort auf, das fehlende Kind wird vermisst und es wird seiner gedacht.
Die Freude am gemeinsamen Tun stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl.
Eine wichtige Rolle spielt im Stuhlkreis die Sozialerziehung. Kinder lernen spielerisch zuzuhören, auf andere Rücksicht zu nehmen und niemanden auszulachen oder aus der Gemeinschaft auszuschließen.
Im Kreis vor allen anderen etwas zu tun, zum Beispiel vorzusingen oder eine bestimmte Rolle zu übernehmen, erfordert Mut. Jedes Kind ist mit Recht stolz, wenn es seine Sache gut gemacht hat und gelobt wird. Dieses Erfolgserlebnis fördert das Selbstvertrauen des Kindes, es wird selbstbewusster und sicherer.
Der Rhythmus der Lieder, aber auch der Sprache, sowie die entsprechenden Bewegungen dazu, fördern die Lust mitzumachen. Die Kinder üben spielerisch die richtige Aussprache und Betonung der Wörter, üben das Sprechen in ganzen Sätzen und erweitern ihren Wortschatz. Dieser Bereich der Sprachförderung ist für alle Kinder sehr wichtig.
Bei Spielen im beengten Raum innerhalb des Stuhlkreises üben die Kinder, ihre Körperbewegungen  zu steuern. Sie müssen den vorhandenen Raum so ausnutzen, dass andere nicht behindert oder gestört werden. Die gemeinsam gesungenen Lieder sind ein Teil der rhythmisch-musikalischen Erziehung. Sing- und Tanzspiele fördern die Bewegungsfreude. Beim Tanzen, Klatschen und Singen wächst das Gefühl für musikalische Zusammenhänge.
Doch neben all dem Lernen und den Erfahrungen, die die Kinder im Stuhlkreis machen, ist es einfach auch schön, einmal am Tag zusammenzusitzen, miteinander zu singen,  zu spielen und miteinander über dies und das zu sprechen, was die Kinder bewegt.
Manchmal muss großem oder kleinem Ärger Luft gemacht werden. Dann gilt es, Regeln zu überdenken und neue Regeln zu finden. Wir lachen gemeinsam und wir teilen traurige Erlebnisse – beides hat im Stuhlkreis seinen Platz.


                   

Regina Hillbrecht-Lang über  Integration

Mein Name ist Regina Hillbrecht-Lang und ich arbeite seit August 2012 als Integrationskraft in der Evangelischen Kindertagesstätte Reinheim. Ich möchte an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen unsere Integrationsarbeit vorzustellen.
Unser Kindergarten ermöglicht Kindern mit Behinderung oder drohender Behinderung nach Absatz 2 des Hessischen Kindergartengesetzes über die wohnortnahe Einzelintegration die Aufnahme in unserer Tageseinrichtung. Diese Form soll jedem Kind die Eingliederung in die Gesellschaft ermöglichen, um alle Kinder in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung zu fordern und dazu beitragen, Benachteiligung zu vermeiden und abzubauen. In der Evangelischen Kindertagesstätte wird je eine Gruppe von zwei Erziehungskräften geleitet. Wird ein Integrationskind in eine Gruppe aufgenommen wird die Gruppenstärke insgesamt reduziert, und es kann eine zusätzliche Integrationskraft zur weiteren Unterstützung der Erziehungskräfte eingesetzt werden.
Bei einer Integration steht nicht die Einzeltherapie und Einzelforderung des Kindes im Vordergrund, sondern das Miteinander in der Gruppe. Die Kinder lernen voneinander und miteinander.
Sie lernen: „Alle sind gleich, alle sind verschieden" und dass Unterschiedlichkeiten im Leben dazu gehören. Besonders beim Freispielen werden die eigenen Bedürfiiisse und auch die der Spielpartner wahrgenommen und kennengelernt. Soziales lernen in der Gruppe ist ein Prozess, den wir in unserer täglichen Arbeit mit den Kindern begleiten und unterstützen.
Jedes Kind ist einzigartig. Das Kind dort abholen wo es steht, seine Stärken zu sehen und nach seinen individuellen Bedürfnissen entsprechende pädagogische Angebote anzubieten ist ein wichtiger Gedanke bei unserer integrativen Arbeit.
Regina Hillbrecht-Lang

Ute Tokarczyk über  Große Kunst in Kinderhand

Kinder und große Maler – wie passt das zusammen? Können die Kleinen schon die Werke großer Künstler begreifen?
Als die Zeitschrift "Art News" 1955 zum ersten Mal auf dem Titelblatt ein modernes, abstraktes Bild von Hans Hofmann abdruckte, erhielt die Redaktion viele Beschwerdebriefe. Die eigenen Kinder und Enkel, so die wiederholte Klage, malten genauso gut wie der vermeintliche Künstler dieses Bildes. Der Chefredakteur antwortete auf die Kritik mit einer Gratulation an all die talentierten Kinder und Enkel und wünschte weiterhin viel Erfolg!
Für viele bedeutende Künstler unseres Jahrhunderts waren Kinderzeichnungen die Inspiration für das eigene künstlerische Schaffen.
Die Kinder können´s auch. Das ist kein vernichtendes Urteil für unsere Kunst, sondern es steckt viel  Wahrheit in diesem Satz. Je einfacher die kreativen Äußerungen von Kindern sind, desto lehrreichere Kunst bieten sie für uns, denn diese Kunst ist noch nicht von Gedanken überladen.
Miro und Picasso äußern sich in ähnlicher Form. Auch sie sehen in künstlerischer, kindlicher Betrachtungs- weise und Tätigkeit eine wichtige Basis eigener Kreativität.
Christian Morgenstern hat einmal geschrieben: „Man sieht etwas hundertmal, tausendmal, ehe man es zum ersten Mal wirklich sieht.“
Ein Bild zu betrachten heißt sich Zeit zu nehmen, zu warten, zu beobachten und ein Kunstwerk „kommen zu lassen“. Erwachsene haben inmitten der Reizüberflutung oft verlernt, vor einem Bild zu verweilen und es nur zu betrachten. Kinder hingegen erleben ein einzelnes Bild in gebannter Faszination.
Im kommenden Kindergartenjahr wollen wir uns mit den Kindern aufmachen, einmal wirklich hinzusehen, und dies wollen wir mit dem Projekt „Kunst im Kindergarten“ realisieren.
Wir nehmen nämlich nur das wahr, was wir auch verarbeitet haben – künstlerische Betätigungen wie Malen, Zeichnen und Modellieren sind dafür eine tolle Möglichkeit. Da kann Erlebtes zu Gesprächen, zu schöpferischem Gestalten und zu Überlegungen führen. Auch der umgekehrte Weg ist denkbar: eigenes Erleben, Erfahrungen oder Gestaltetes als Grundlage für das Verständnis von Kunst.
Es gibt viele Wege, Kinder und große Kunst zusammenzuführen. Wir wollen Kinder zu einem ganzheitlichen Kunstverständnis hinführen und  Scheu und Schwellenangst vor Kunstgeschichte, Galerien, Museen und Künstlern nehmen.
Wir wollen Verständnis für Kunstwerke wecken und Fantasie und Kreativität durch die Betrachtung und  Verinnerlichung eines Gemäldes fördern.
Über das Erleben von Bildinhalten soll soziales und emotionales Verhalten bei Kindern gefördert werden und die Kinder zu ästhetischem Empfinden und Genuss hingeführt werden. Die Sinne werden im Betrachten, bildnerischen Gestalten und im Spiel geschult.

                

Elisabeth Dorner über den Garten

Wenn sich Kinder an ihre Kindergartenzeit zurückerinnern, denken sie sicher auch an unseren schönen, großen Garten zurück.
Auch Eltern, die unser Außengelände beim ersten Besuch unserer Einrichtung in Augenschein nehmen, sind erfreut und erstaunt über die ungewöhnliche Größe unseres Gartens.
Unser Garten stellt für die Kinder eine Erweiterung des Gruppenraumes dar und ist einfach schön.
Wenn ich den Grund für dieses positive Gefühl suche, finde ich viele Ursachen. Unser Garten ist der Gegenpol zum Gruppenraum, in dem man oft Rücksicht auf Spielgeschehen und Lautstärke der anderen nehmen muss. Den Spielimpulsen und dem Bewegungsdrang der Kinder kann im Garten viel mehr Platz gegeben werden.
Elementare Erfahrungen des Wetters können wir in unserem Garten machen. Hitze, Kälte, Wind, Regen, Nebel sowie Schnee, und auch wie die Kinder unterschiedlich damit umgehen. Manche Kinder genießen jedes Wetter und andere wollen sich am liebsten gar keinen Wetterreizen aussetzen.
Die Spielgeräte sind leider auf Dauer gesehen einem verschleißbedingten Wechsel ausgesetzt, doch unser Gebüsch ist etwas, an das sich alle Kinder, egal, ob schon erwachsen oder noch Schulkind, mit Freude erinnern.
Unsere Bäume begleiten  uns mit Blüten, Knospen, Früchten (Kirschen, Äpfel, Nüsse, Mispeln, Kastanien) und Laubfall durch die Jahreszeiten, und auch so mancher Blumenkasten hat unsere Sommer verschönert.
Wir sammeln: Blätter, Stöckchen, Steinchen, Nüsse, Apfel, Kastanien, Regenwürmer, Schnecken, Ameisen und bestimmt viele geheime Dinge. So wie es gesammelt wird, wird es auch ertastet und mit allen Sinnen aufgenommen und wertgeschätzt.
Wir haben viele unserer Feste, ebenso auch schon einige Gottesdienste, unter freiem Himmel in unserem Garten gefeiert und auf diese Weise gemeinsame Erinnerungen gesammelt.
Wie so vieles, an das man sich gewöhnt hat, erscheint mir unser Garten oft als ein normaler Lebensraum. Doch ist er auch etwas Besonderes, das ein paar besondere Gedanken verdient hat, die ich mit dem Sprüchlein abschließe:
Dumme rennen, Kluge warten - Weise gehen in den Garten.

Annegret Hermes über "So viel Heimlichkeit in der Adventszeit"

Wie überall, wo Kinder leben, ist auch in unserer Kindertagesstätte die Advents- und Weihnachtszeit eine ganz besondere Zeit, mit mancher Heimlichkeit. Im Flur steht ein großer Tannenbaum, die Gruppenräume sind mit Tannenzweigen, Lichterketten, bunten Sternen, Girlanden aus Goldfolien und vielen anderen adventlichen Basteleien geschmückt. Oft duftet es nach Zimt, Nelken, Orangen und selbstgebackenen Plätzchen.
Jede Gruppe hat einen eigenen Adventskalender, an dem für jedes Kind ein weihnachtlich verpacktes Päckchen hängt. Jeden Tag darf ein Kind ein Päckchen wählen und mit nach Hause nehmen.Manchmal tauchen in einer Gruppe „Wichtelbriefe“ auf mit den Namen der Kinder, die an diesem Tag an der Reihe sind mit Wichteln. In einer anderen Gruppe ziehen Kinder „Sterne“. Die Kinder können es oft kaum erwarten, ihren Namen zu hören, und sie fragen sich, ob die Päckchen wohl für alle reichen??
Alle Tage im Advent singen wir zusammen im Stuhlkreis beim Schein der Adventskerzen Weihnachtslieder, üben Fingerspiele und Verse ein, auch für evtl. geplante adventliche Eltern-Kind-Nachmittage und natürlich für unseren Weihnachtsgottesdienst am letzten Kindergartentag.
Der Nikolaustag ist ein kleiner Höhepunkt in der Vorweihnachtszeit.
In unserer Einrichtung bringen die Kinder in der Woche vor dem großen Tag Nikolaus-Socken mit. Diese werden zunächst in den Gruppen aufgehängt. Bald sind sie plötzlich verschwunden. Natürlich überlegen nun die Kinder ganz aufgeregt, wann und wie der Nikolaus wohl in den Kindergarten kommen konnte, um die Socken zu holen!
Wenn wir den Nikolaustag in unseren Gruppen feiern, die bekannten Nikolaus-Lieder singen und die Legende vom echten Nikolaus hören, kann es sein, dass plötzlich ein lautes Klopfen an der Gruppentüre zu hören ist! Der Nikolaus...?! mutmaßen Kinder.
Öffnet eine Erzieherin oder ein ganz mutiges Kind die Tür, um nachzuschauen, steht ein großer Sack vor der Tür mit dem Namen der jeweiligen Gruppe. Manchmal finden die Kinder den Nikolaus-Sack auch irgendwo in ihrer Gruppe.
Groß ist die Freude, wenn sie ihre – nun gefüllten – Socken in Empfang nehmen dürfen.
Natürlich basteln und “werkeln“ die Kinder weihnachtliche Dinge - auch Geschenke für Papa und Mama.
Manchmal haben wir einen Adventskalender, der nicht ab-, sondern zunimmt. An jedem Adventstag hören wir eine Geschichte und kleben das entsprechende Bild dazu ans Fenster oder auf eine Folie. So entsteht nach und nach eine besondere Weihnachtsgeschichte zum Anschauen.
Den Grund, warum das Christkind kommt und wir uns gegenseitig beschenken, erfahren und erleben die Kinder beim Erzählen und Spielen der biblischen Weihnachtsgeschichte:
Gott hat uns seinen Sohn geschenkt. Deshalb beschenken wir uns gegenseitig.
Die allgemeine Hektik vor Weihnachten lässt uns das oft vergessen. Darum ist es uns besonders in der Adventszeit wichtig, mit unseren Kindern eine Zeit der Ruhe und Besinnlichkeit zu haben und ein wenig vom Geheimnis der Weihnacht zu erfahren.

    Annegret Hermes